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Datenschutzrecht
ffentliches Interesse an Polizeidaten hher als Interessen der betroffenen Person
Ursula Uttinger
Das ffentliche Interesse, Daten in der Datenbank POLIS (Polizei-Informationssystem POLIS) aufzubewahren, sind in diesem Fall - die Tterschaft im Strafverfahren ist (noch) nicht geklrt - hher zu werten, als die Interessen der betroffenen Person auf Lschung. Insbesondere, wenn die Daten korrekt sind und klar ersichtlich ist, dass die Strafuntersuchung eingestellt wurde.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 1C_439/2011 vom 25. Mai 2012 publiziert als BGE 138 I 256
Publiziert am 15. August 2012
Erbrecht
Fristenlauf beim ffentlichen Inventar
Tarkan Gksu
Das Bundesgericht hlt in diesem zur Publikation vorgesehenen Entscheid fest, dass die Monatsfrist, um die Erstellung eines ffentlichen Inventars zu verlangen (Art. 580 Abs. 2 ZGB), gleich zu laufen beginnt wie die Ausschlagungsfrist, also fr gesetzliche Erben im Zeitpunkt, da ihnen der Tod des Erblassers bekannt geworden ist, und fr eingesetzte Erben mit der amtlichen Mitteilung von der Verfgung des Erblassers (Art. 567 Abs. 2 ZGB). Nur wenn gesetzliche Erben zustzlich zu ihrem Erbanteil auch als Erben eingesetzt werden, luft die Frist erst mit der amtlichen Mitteilung der erblasserischen Verfgung, nicht dagegen wenn der gesetzliche Erbanteil reduziert wird.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 5A_184/2012 vom 06. Juli 2012 publiziert als BGE 138 III 545
Publiziert am 31. August 2012
Anfechtung des Erbverzichts durch Erbenglubiger
Tarkan Gksu
Verzichtet ein Schuldner auf sein Erbe zugunsten seiner Nachkommen, so kann gemss dem vorliegend besprochenen, zur Publikation vorgesehenen Entscheid, der Glubiger das entsprechende Rechtsgeschft nicht anfechten, weder nach Art. 578 ZGB noch nach Art. 286 SchKG. Nicht ausgeschlossen erscheint aber eine Anfechtung mittels der Absichtspauliana (Art. 288 SchKG).
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 5A_68/2012 vom 16. Mai 2012 publiziert als BGE 138 III 497
Publiziert am 28. August 2012
Auslegung eines Ehegattenerbvertrags unter Bercksichtigung eines nachtrglich abgeschlossenen Ehevertrags
Fabienne Wiget
Das Bundesgericht hatte in diesem zur Publikation vorgesehenen Entscheid das Verhltnis des spter errichteten Ehevertrags zum frher errichteten Erbvertrag eines Ehepaares zu beurteilen (E. 5/7) und die Auslegung des Erbvertrags mit Schlusserbeneinsetzung vorzunehmen (E. 8).
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 5A_473/2011 vom 29. Mai 2012 publiziert als BGE 138 III 489
Publiziert am 28. August 2012
Relative Verwirkungsfrist fr Herabsetzungsklage luft beim virtuellen Erben ab Kenntnis der Verfgung
Gian Sandro Genna
In diesem zur Publikation vorgesehenen Entscheid aus dem Kanton Tessin befasst sich das Bundesgericht mit der Stellung des virtuellen Erben (vollstndig bergangener Pflichtteilserbe) und mit dem Beginn der einjhrigen relativen Verwirkungsfrist fr die Herabsetzungsklage gemss Art. 533 Abs. 1 ZGB.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 4A_458/2011 vom 22. Mrz 2012 publiziert als BGE 138 III 354
Publiziert am 22. August 2012
Succession internationale italo-suisse, dlai de l'action en rduction et informations bancaires
Dies a quo du dlai de l'action en rduction, informations concernant des relations bancaires indirectes
Delphine Pannatier Kessler
Dans cet arrt destin la publication aux ATF, le Tribunal fdral prcise que le dlai pour l'ouverture de l'action en rduction pour un hritier rservataire entirement exclu de la succession commence courir ds qu'il a connaissance des dispositions de dernires volonts l'excluant, sans qu'il n'ait connatre la valeur approximative de la masse successorale. Cet arrt aborde galement la question du droit des hritiers obtenir des informations concernant les relations bancaires indirectes dont le de cujus ne serait qu'ayant droit conomique. Il traite galement de l'admissibilit d'une professio iuris en faveur du droit suisse pour un Italien de dernier domicile en Suisse.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 4A_458/2011 vom 22. Mrz 2012 publiziert als BGE 138 III 354
Publiziert am 22. August 2012
Einrede der Litispendenz in italienisch-schweizerischer Erbstreitigkeit
Alexandra Hirt
Streitigkeiten ber Vereinbarungen zwischen Erben sind vom Anwendungsbereich des Lug ausgeschlossen (E. 2.1). Die Einrede der Litispendenz ist deshalb nach Art. 8 des Abkommens zwischen der Schweiz und Italien ber die Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen zu beurteilen (E. 2.2). Die allfllige Missachtung einer Gerichtsstandsvereinbarung ist erst im Anerkennungsverfahren zu prfen (E. 3.2).
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 5A_423/2011 vom 15. Mai 2012 publiziert als BGE 138 III 570
Publiziert am 21. August 2012
Familien- und Personenrecht
Wirkung vorsorglicher Massnahmen bei Abschluss des Scheidungsverfahrens
Regina Aebi-Mller
Wie das Bundesgericht in BGE 137 III 614 festgehalten hat, bleiben vorsorgliche Massnahmen, die in einem Scheidungsverfahren ergangen sind, nach einer Abschreibung des Scheidungsverfahrens weiter in Kraft (hnlich wie Eheschutzmassnahmen). Diese Rechtslage wurde im vorliegenden Entscheid 5A_147/2012 einer Frau zum Verhngnis, welche vorschnell eine fr sie ungnstige Trennungsvereinbarung unterzeichnet hatte. Die Vereinbarung liess sich im zweiten Scheidungsverfahren nicht mehr mit dem Argument korrigieren, die ursprnglichen Entscheidgrundlagen seien falsch gewesen.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 5A_147/2012 vom 26. April 2012
Publiziert am 23. August 2012
Erfordernis der Einigungsverhandlung im Scheidungsverfahren
Regina Aebi-Mller
Wie das Bundesgericht im vorliegenden Entscheid festhlt, darf die kantonale Instanz auf die in Art. 291 ZPO vorgesehene Einigungsverhandlung nicht von sich aus verzichten. Die Zuger Instanzen wurden gleich mit zwei zur amtlichen Publikation bestimmten Urteilen zurechtgewiesen.
Kommentar zu: BGE 137 III 380
Publiziert am 20. August 2012
IT-Recht
1%-Fehlerquote bei Anonymisierung der Bilder auf Google Street View ist zulssig
Lukas Bhlmann
Mit Urteil vom 31. Mai 2012 (1C_230/2011) hat das Schweizer Bundesgericht definitiv ber die datenschutzrechtliche Zulssigkeit von Google Street View entschieden. Dabei wird der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer), in dem Google weitreichende Auflagen auferlegt wurden, grsstenteils besttigt. Auch wenn gemss Bundesgericht in vielen der konkret zu beurteilenden Fllen eine Persnlichkeitsverletzung vorliegt, gelangt es im Rahmen der Interessenabwgung zum Schluss, dass von Google grundstzlich keine vollstndige Anonymisierung von Gesichtern und Nummernschildern in Street View verlangt werden kann, so wie dies das Bundesverwaltungsgericht noch gefordert hatte. Anders als die Vorinstanz hat das Bundesgericht auch die Interessen Dritter, die aus Street View einen Nutzen durch erleichterte Informationsbeschaffung und -verwendung ziehen, in die Abwgung miteinbezogen. Google wird bei der automatischen Anonymisierung von Personendaten dementsprechend eine Fehlerquote von "ca. 1 %" gewhrt, sofern die Software laufend verbessert wird und die weiteren Auflagen des BVGer beachtet werden.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 1C_230/2011 vom 31. Mai 2012 publiziert als BGE 138 II 346
Publiziert am 15. August 2012
Miet- und Pachtrecht
Rsiliation du bail
Subsidiarit du cong pour justes motifs, qui doit intervenir de manire immdiate, sans pravis plus long que celui lgal - Caractre intolrable de la poursuite du contrat
Marino Montini
Selon la jurisprudence du Tribunal fdral, le cong pour justes motifs est subsidiaire par rapport aux autres congs extraordinaires prvus par la loi, notamment celui de l'art. 257f al. 3 CO. Pour dire s'il existe de justes motifs, le juge doit appliquer les rgles du droit et de l'quit et doit donc prendre en considration tous les lments du cas particulier. Les circonstances du cas d'espce doivent rendre la poursuite du bail jusqu' son terme objectivement intolrable ; une intolrance ressentie de manire purement subjective ne suffit en revanche pas. Notre haute Cour note ensuite que lorsque l'tat de fait prsent par le bailleur l'appui d'un cong correspond d'un point de vue juridique un autre motif de rsiliation extraordinaire que celui qu'il a invoqu, cette erreur de qualification ne doit pas lui nuire et le juge peut procder la rectification ncessaire.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 4A_142/2012 vom 17. April 2012
Publiziert am 14. August 2012
Procdure d'expulsion - Refus d'effet suspensif un recours dirig contre le jugement autorisant l'excution d'une dcision d'expulsion du locataire
Marino Montini
Dans le prsent arrt, notre haute Cour relve qu'il n'y a rien d'insoutenable refuser l'effet suspensif un recours l'encontre d'un jugement autorisant l'excution d'une dcision d'expulsion du locataire, retenant cet gard que la procdure sera sans doute de courte dure (moins de deux mois) et prendra ainsi fin avant la date partir de laquelle le bailleur pourra faire excuter la dcision prcite.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 4A_272/2012 vom 14. Juni 2012
Publiziert am 13. August 2012
ffentliches Verfahrensrecht und Verwaltungsrecht
Wie breit muss eine Briefeinwurfffnung sein?
Gedanken zur Verhltnismssigkeit
Mischa Morgenbesser
Die Beschwerdefhrerin installierte eine Briefkastenanlage, deren Briefeinwurfffnungen statt der erforderlichen 25 cm nur 22.5 cm breit waren. Das Bundesverwaltungsgericht erinnerte mit Urteil vom 7. August 2012 einerseits daran, dass fr Streitigkeiten zwischen der Schweizerischen Post und der Kundschaft ber die Ausgestaltung von Briefksten das Bundesverwaltungsgericht und nicht die Zivilgerichte zustndig sind. Andererseits erachtete es als verhltnismssig, von der Beschwerdefhrerin eine Anpassung der Briefeinwurfffnungsbreite zu verlangen.
Kommentar zu: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-6736/2011 vom 07. August 2012
Publiziert am 21. August 2012
ffentliches Wirtschaftsrecht
Schwacher Schutz vor staatlicher Unternehmensttigkeit im Wettbewerbsbereich durch die Wirtschaftsfreiheit
Markus Schott
Die gesetzliche Ermchtigung einer kantonalen Sachversicherungsanstalt zur Erweiterung ihres Ttigkeitsgebiets ausserhalb des Monopolbereichs verstsst nicht gegen das Grundrecht der Wirtschaftsfreiheit der privaten Konkurrenten gemss Art. 27 BV. Diese knnen sich nur auf die objektiv-rechtlichen Gehalte der Wirtschaftsfreiheit gemss Art. 94 BV berufen. In diesem Rahmen prft das Bundesgericht vor allem, ob eine unzulssige Wettbewerbsverzerrung durch Quersubventionierungen aus dem Monopolbereich erfolgt oder zu erwarten ist.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 2C_485/2010 vom 03. Juli 2012 publiziert als BGE 138 I 378
Publiziert am 29. August 2012
Strafrecht
Bundesgericht verneint seine Zustndigkeit in Siegelungssachen contra legem
Andreas von Bren
Das Bundesgericht weigert sich, bei einer Beschwerde gegen eine besonders komplizierte Entsiegelung die eigene Zustndigkeit anzuerkennen und weist die Sache an die kantonale Instanz zurck, obwohl gemss Art. 80 Abs. 2 BGG i.V.m. Art. 248 Abs. 3 lit. a sowie Art. 380 StPO das Bundesgericht als einzige Instanz zustndig ist.
Kommentar zu: Urteil des Bundesgerichts 1B_595/2011 vom 21. Mrz 2012
Publiziert am 23. August 2012
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